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DATENAUFBEREITUNG

Datenaufbereitung bezeichnet in der qualitativen Geographie alle Arbeitsschritte, mit denen erhobene Daten in eine Form gebracht werden, die analysiert werden kann. Dazu gehören insbesondere Transkription, Anonymisierung, Strukturierung, Codierungsvorbereitung, Digitalisierung von Materialien sowie die Organisation und Archivierung der Daten. In der qualitativen sozialräumlichen Forschung ist Datenaufbereitung kein rein technischer Schritt, sondern bereits Teil des Analyseprozesses. Entscheidungen darüber, was transkribiert wird, wie stark geglättet wird, wie Orte anonymisiert werden oder wie visuelle Materialien ausgewählt und zugeschnitten werden, beeinflussen, wie Räume später analysiert werden können. Wenn beispielsweise Ortsnamen anonymisiert werden, können räumliche Bezüge verloren gehen oder verändert werden. Wenn Gespräche stark geglättet transkribiert werden, können räumliche Beschreibungen, Unsicherheiten oder Emotionen weniger sichtbar sein.

  • Kuckart, U.  & S. Rädiker (2014): Datenaufbereitung und Datenbereinigung in der qualitativen Sozialforschung. In: Baur, N. & J. Blasius (Hrsg.): Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung. Heidelberg: Springer, 383-396.

TRANSKRIPTION

Nach der Datenerhebung kommt die Datenaufbereitung. Verbale Daten (und ergänzend unter bestimmten Umständen/Forschungszielen auch non-verbale Kommunikation) werden transkribiert. Unter Transkription verstehen qualitativ Forschende das Verschriftlichen der zuvor auf Video- oder Tonträgern aufgezeichnete Kommunikation (zum Beispiel als Folge eines Interviews). Dafür gibt es verschiedene Transkriptionssysteme, die je nach Forschungsziel unterschiedliche Grade der Komplexität aufweisen. Das in den Sozial- und Kulturwissenschaften verbreitetste Transkriptionssystem ist das Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem (GAT). Das GAT wurde Ende der 1990er-Jahre von den Linguisten Margret Selting, Peter Auer, Birgit Barden, Jörg Bergmann, Elisabeth Couper-Kuhlen, Susanne Günthner, Christoph Meier, Uta Quasthoff, Peter Schlobinski und Susanne Uhmann entwickelt. Es stellt einheitliche Konventionen zur Verschriftlichung verbaler (und zum Teil non-verbaler) Daten Daten zur Verfügung. Eine überarbeitete Version wurde 2009 unter dem Namen GAT2 veröffentlicht. GAT kann auf drei Komplexitätsebenen ausgeführt werden: Basistransript, Feintranskript, Minimaltranskript.

  • Geyer, B. (2016): Die Transkription. Eine notwendige Reduktion sozialer Interaktion. In: Wintzer, J. (Hrsg.): Herausforderungen in der qualitativen Sozialforschung. Forschungsstrategien von Studierenden für Studierende. Heidelberg: Springer, 111-119.

  • Selting, Margret et al. (2009): „Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem 2 (GAT 2)“. In: Gesprächsforschung – Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion 10 (2009), 353–402.

  • Transkription nach GAT2

Large Language Models (LLM) erreichen mittlerweile eine gute Qualität zur Transkription von Interviews. Anbei finden Sie eine Liste potenzieller LLMs. In diesem Bereich ändert sich täglich viel. Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern dient der Inspiration, die Tools auszuprobieren.

Audiotranskription
WhisperAI
noScribe
Amberscript

SOFTWARE ZUR UNTERSTÜTUNG DER DATENANALYSE

Audiotranskription
Neben einer technischen Unterstützung zur Transkription von Interviews (F4-Transkript) bietet audiotranskription auch ein Tool zur automatischen Spracherkennung für deutsch- und englischsprachige Interviews an (F4x)

Microsoft Transkriptionstool für Word
Alle Microsoft 365-Kunden haben die Möglichkeit sich ein Transkriptionstool direkt ins Word einzufügen.

 

MaxQDAAtlas.tiNVivo und F4-Analyse
sind Softwareangebote zur technischen Unterstützung der Datenanalyse. Auf Youtube existieren eine Vielzahl von Erklärvideos. Zudem gibt es Publikationen, die die Anwendung solcher Programm diskutieren.

  • Kuckartz, U. & S. Rädiker (2019): Analyzing Qualitative Data with MAXQDA: Text, Audio, and Video. Cham: Springer.

  • Woolf, N. H. (2017): Qualitative analysis using MAXQDA : the five-level QDA™ method. New York: Routledge.

DokuMet QDA
Die Software DokuMet QDA ermöglicht eine qualitativ-rekonstruktive Analyse, d.h. ein sequenzielles, sinnrekonstruktives Vorgehen, bei dem das Material nicht kodiert, sondern in seiner Eigenlogik erschlossen wird wie dies beispielsweise bei der Dokumentarischen Methode das Ziel ist. Im Moment steht DokuMet QDA für die Auswertung von Interviews, Gruppendiskussionen, Bildern, ethnografische Beobachtungen und für Dokumenten bereits. In naher Zukunft wird die Software für die Analyse von Videos weiterentwickelt.

Quintexa
Dieses Programm zur Textanalyse ist speziell auf inhaltsanalytische Methoden ausgerichtet. Somit kann nicht „nur“ kodiert und kategorisiert werden, sondern pharaphrasierende, explizierende und zusammenfassende Analyseschritte oder Feinanalyse, Bündelung und Motiv können nebeneinander angeordnet werden.

Neben dieser kurzen Liste möchten wir auf diese Übersicht hinweisen, die eine Liste von Softwareprogrammen zum Einsatz in der sozialwissenschaftlichen Forschung gibt. Wir danken Ronny Gey von Social Science Software für diese Zusammenstellung.

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