top of page

AUDITIVE, VISUELLE UND
PERFORMATIVE
DARSTELLUNGSMETHODEN

Darstellungsmethoden kommen zum Einsatz, um Forschungsergebnisse einem interessierten Publikum vermitteln zu können; daher sollte sich die Art der Darstellungsmethode am entsprechenden Publikum orientieren. Darstellungsmethoden nehmen an Bedeutung zu, denn die sie arbeiten der Kritik am Glashaus Wissenschaft entgegen, sie ermöglichen die Information über und Teilhabe an wissenschaftlichen Prozessen und Erkenntnissen gegenüber der Gesellschaft und sie bilden eine wichtige Grundlage für die Legitimation von Forschungsprozessen beispielsweise im Kontext zunehmender Drittmittelfinanzierung von wissenschaftlicher Forschung.

AUDITIVE DARSTELLUNGSMETHODEN

Podcast

Podcasts sind audio-basierte Formate, die in der qualitativen Geographie sowohl als Erhebungsmethode als auch als Form der Wissensproduktion und -vermittlung eingesetzt werden können. Sie bestehen meist aus aufgezeichneten Gesprächen, Erzählungen, Interviews oder dokumentarischen Audioformaten, die sozialräumliche Erfahrungen, Praktiken und Perspektiven hörbar machen. Podcasts ermöglichen es, sozialräumliche Erfahrungen, Alltagspraktiken, Umweltwahrnehmungen oder politische Konflikte über gesprochene Sprache, Geräusche und Atmosphären zu erfassen. Besonders relevant ist das Medium für Themen, bei denen Stimmen, Erzählungen, Klanglandschaften oder emotionale Dimensionen von Raum eine Rolle spielen. Audioformate können räumliche Atmosphären, Geräusche von Orten oder Erzählungen über Raum miteinander verbinden und dadurch eine spezifische Form räumlichen Wissens erzeugen.

Podcasts werden in der qualitativen Geographie häufig im Kontext von Audioethnographie, Soundscape-Forschung, narrativen Methoden oder partizipativer Forschung eingesetzt. Sie können sowohl Forschungsdaten erzeugen, etwa in Form von aufgezeichneten Gesprächen oder Audio-Tagebüchern, als auch als Ergebnisformate dienen, um Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

  • Kinkaid, E., Emard, K., & Senanayake, N. (2020). The Podcast-as-Method?: Critical Reflections on Using Podcasts to Produce Geographic Knowledge. Geographical Review, 110(1–2), 78–91. https://doi.org/10.1111/gere.12354

(digital) Storytelling

(Digital) Storytelling ist eine qualitative Methode, bei der Teilnehmende kurze narrative Geschichten über ihre sozialräumlichen Erfahrungen erstellen und dabei meist digitale Medien wie Fotos, Videos, Audioaufnahmen, Karten oder Texte kombinieren. Die Methode verbindet narrative, visuelle und oft auch räumliche Elemente und wird häufig in partizipativen Forschungsdesigns eingesetzt. Im Zentrum stehen erzählte Erfahrungen von Orten, Mobilitäten, Zugehörigkeiten, Ausschlüssen oder Umweltveränderungen. Durch das Erzählen von Geschichten werden Räume nicht nur beschrieben, sondern in ihrer Bedeutung für das eigene Leben strukturiert und interpretiert. Digital Storytelling ermöglicht es, Alltagsräume, biographische Raumbezüge oder konflikthafte Raumverhältnisse aus der Perspektive der Beteiligten sichtbar zu machen. Besonders relevant ist die Methode in der Migrationsforschung, Stadtforschung, Entwicklungsgeographie oder Umweltforschung, da sie subjektive Raumaneignungen und alternative Raumwissen sichtbar machen kann. Digital Storytelling wird häufig in partizipativer und feministischer Forschung eingesetzt, weil die Methode darauf abzielt, dass Teilnehmende ihre eigenen Geschichten produzieren und damit selbst an der Wissensproduktion beteiligt sind.

  • Lambert, J. (2013): Digital Storytelling: Capturing Lives, Creating Community. 4th ed. New York: Routledge.

  • Couldry, N. (2008): Mediatization or mediation? Alternative understandings of the emergent space of digital storytelling. New Media & Society, 10(3), 373–391. https://doi.org/10.1177/1461444808089414

VISUELLE DARSTELLUNGSMETHODEN

Comic

Comics sind eine visuelle und textliche Erhebungs- und Darstellungsform in der qualitativen Forschung, bei der sozialräumliche Erfahrungen, Prozesse und Machtverhältnisse in sequenziellen Bildern mit oder ohne Text dargestellt werden. In der Geographie werden Comics sowohl als Methode der Datenerhebung (z.B. durch Teilnehmende erstellte Comics) als auch als Methode der Wissensproduktion und -kommunikation eingesetzt. Comics ermöglichen es, sozialräumliche Erfahrungen, Mobilitäten, Grenzerfahrungen, Alltagspraktiken oder Konflikte in räumlichen Kontexten visuell und narrativ darzustellen. Besonders geeignet sind sie für Themen, bei denen Bewegung durch Raum, zeitliche Abläufe oder emotionale und verkörperte Erfahrungen eine Rolle spielen, etwa Migration, Stadtalltag, Fluchterfahrungen, Umweltveränderungen oder Marginalisierung im Raum. Die sequenzielle Struktur von Comics erlaubt es, räumliche Prozesse, Wege, Barrieren und Interaktionen sichtbar zu machen, die in rein verbalen Methoden schwer darstellbar sind. Comics werden in der Geographie häufig im Kontext von arts-based methods, visuellen Methoden und partizipativer Forschung eingesetzt. Sie können sowohl Forschungsdaten sein als auch Ergebnisdarstellungen, etwa um Forschungsergebnisse zugänglich zu machen oder alternative Wissensformen sichtbar zu machen. Gleichzeitig stellen sich Fragen nach Repräsentation, Interpretation und Autor*innenschaft, da Comics immer auch eine Übersetzung von Erfahrungen in visuelle Narrative darstellen.

  • Dittmer, J. (2014): Comic book visualities: A methodological manifesto on geography, montage and narration. Transactions of the Institute of British Geographers, 39(2), 222–236. https://doi.org/10.1111/j.1475-5661.2009.00376.x

  • Kuttner, P.J., Weaver-Hightower, M.B., & Sousanis, N. (2021): How to draw comics the scholarly way. Qualitative Research 21(2) 195–214: https://doi.org/10.1177/1468794120918845

Dokumentarfilm

Der Dokumentarfilm ist eine visuelle qualitative Methode, bei der sozialräumliche Realitäten, Praktiken und Konflikte filmisch dokumentiert und analysiert werden. In der Geographie wird Dokumentarfilm sowohl als Methode der Datenerhebung als auch als Form der Wissensproduktion und -vermittlung eingesetzt. Dokumentarfilme ermöglichen es, sozialräumliche Prozesse, Alltagspraktiken, Umweltverhältnisse, Mobilitäten oder politische Konflikte visuell und zeitlich eingebettet darzustellen. Besonders relevant ist die Methode, wenn räumliche Prozesse, Bewegungen, Atmosphären, Materialitäten oder verkörperte Praktiken untersucht werden sollen. Film kann zeigen, wie Raum genutzt, erlebt, kontrolliert oder angeeignet wird und macht dabei auch Machtverhältnisse, Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten im Raum sichtbar. Der Dokumentarfilm ist dabei nicht nur ein Mittel zur Darstellung von Forschungsergebnissen, sondern kann selbst Teil des Forschungsprozesses sein, etwa in partizipativen Projekten oder in der visuellen Ethnographie. Durch die Kombination von Bild, Ton, Bewegung und Narration entsteht eine dichte Darstellung sozialräumlicher Wirklichkeiten, die über rein textliche Beschreibungen hinausgeht.

  • Garrett, B.L. (2011): Videographic geographies: Using digital video for geographic research. Progress in Human Geography, 35(4), 521–541. https://doi.org/10.1177/0309132510388337

  • Kindon, S. (2003): Participatory video in geographic research: a feminist practice of looking? Area, 35(2), 142–153. https://doi.org/10.1111/1475-4762.00236

Photo Novela

Die Photo Novela ist eine visuelle (und narrative) Methode, bei der Geschichten mit Fotografien und kurzen Texten erzählt werden. In der qualitativen Geographie wird sie als partizipative Methode eingesetzt, um sozialräumliche Erfahrungen, Alltagspraktiken und räumliche Ungleichheiten aus der Perspektive der Teilnehmenden sichtbar zu machen. Photo Novelas ermöglichen es, sozialräumliche Lebensrealitäten, Bewegungen durch Raum, Barrieren, Zugehörigkeiten oder Ausschlüsse visuell zu dokumentieren und narrativ zu strukturieren. Die Methode eignet sich besonders, um Alltagsräume, Wohnumgebungen, Arbeitsorte, Mobilitätswege oder Umweltverhältnisse aus Sicht der Beteiligten darzustellen. Durch die Kombination von Bild und Text werden räumliche Erfahrungen nicht nur beschrieben, sondern visuell verortet und in eine räumliche Erzählung eingebettet.

PERFORMATIVE DARSTELLUNGSMETHODEN

Auch in der Wissenschaft sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Mit dem Ziel der Wissenskommunikation von Forschungsthemen, -prozessen und -ergebnissen nutzen Forschende performative Akte. Diese ergänzen die klassischen Methoden der Wissenskommunikation wie Vorträge mittels PowerPointPräsentations und/oder Paper. Weitere Beispiele für solche performativen Akte sind Science Slams. Obwohl diese auf der sprachlichen Kommunikation basieren, liegt ihr Schwerpunkt auf der kreativen Umsetzung der Wissenskommunikation
 

  • Wissenschaftler*innen tanzen ihre Doktararbeit

  • Eisenbarth, Britta; Weißkopf, Markus (2012): Science Slam: Wettbewerb für junge Wissenschaftler. In: Dernbach, Beatrice, Kleinert, Christian, Münder, Herbert (Hrsg.): Handbuch Wissenschaftskommunikation. VS: Wiesbaden, S. 155–163.

  • Niemann, Philipp; Bittner, Laura; Hauser, Christiane; Schrögel, Philipp (2020) (Hrsg.): Science-Slam. Multidisziplinäre Perspektiven auf eine populäre Form der Wissenschaftskommunikation. Springer VS: Wiesbaden.

  • Dance your PhD contest

  • Science Slam DE

bottom of page