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BEOBACHTUNGSMETHODEN

Beobachtung ist ein grundlegendes Verfahren empirischer Forschung, bei dem Forschende ihre Aufmerksamkeit gezielt auf Objekte, Personen, Prozesse und Phänomene richten und diese in ihrer jeweiligen situativen Einbettung wahrnehmen und dokumentieren. Sie ist nie neutral, sondern stets durch Perspektiven, Vorwissen und theoretische Annahmen geprägt und bildet zugleich eine zentrale Grundlage für die Generierung und Reflexion empirischer Erkenntnisse. Beobachtung kann gezielt oder zufällig, mit oder ohne Hilfsmittel (z. B. Kamera), einmalig oder wiederholt stattfinden.

Nichtteilnehmende Beobachtung
Externe Aufschreibung einer Situation durch Protokolle,  Tonaufnahmen, Filmaufnahmen

 

Teilnehmende Beobachtung                
Forschende sind Teil des Geschehens

 

Systematische Beobachtung                
gezieltes Erfassen eines Phänomens/Prozesses

 

Nichtsystematische Beobachtung
Gelegenheitsaufzeichnung eines Phänomens/Prozesses

 

Strukturierte Beobachtung                   
Beobachtung unter Zuhilfenahme von vorgegebenen Rastern

 

Unstrukturierte Beobachtung               
Beobachtung ohne Vorgaben

 

Offene Beobachtung                           
Die beobachteten Personen wissen, dass sie beobachtet werden

 

Verdeckte Beobachtung                       
Die beobachteten Personen wissen nicht, dass sie beobachtet werden

 

Selbstbeobachtung                              
Forschende beobachten sich selbst (siehe Autoethnographie)

 

Fremdbeobachtung                             
Forschende beobachten „andere“ Personen

 

Direkte Beobachtung                          
Das Geschehen passiert während der Beobachtung

 

Indirekte Beobachtung                        
Nicht das Geschehen, sondern dessen Auswirkungen werden beobachtet

 

Provozierende Beobachtung                
Initiierung und/oder Steuerung des Geschehens durch die Beobachtenden

 

Beobachtung in natürlichen Kontexten 
Beobachtung einer Alltagshandlung (z.B. Straße)

 

Beobachtung in künstlichen Kontexten
Beobachtung einer hergestellten Situation (z.B. Labor)

 

Einzelbeobachtung                             
Ein/e singuläre/s Situation/Person/Objekt/Phänomen wird beobachtet

 

Gruppenbeobachtung                          
Eine Gruppe von Personen wird beobachtet

 

Immobile Beobachtung                       
Beobachtung erfolgt von einem festgelegten Ort aus

 

Mobile Beobachtung                           
Beobachtung erfolgt unter Veränderung des Beobachtungsortes (z.B.  Spaziergang mit der zu beobachtenden Person „Verfolgung“ der zu beobachtenden Person)

 

Videobeobachtung
Die direkte Beobachtung durch Forschende kann durch Kameratechnik ersetzt werden. Die Forschenden sind (meist) nicht anwesend, um die „Natürlichkeit“ der Situation nicht zu stören.

 

Spaziergänge
Materialität und Sozialräumliches erlaufen

Produkte von Beobachtung können sein: Notizen, Kritzeleien, Feldtagebucheinträge, Memos, anekdotische Aufzeichnungen, aufgezeichnetes Ton- und Bildmaterial, Fotos, Soziogramme (Diagramme von Netzwerken), mind maps, Zeitpläne, Situationsbeschreibungen. Grenzen der Beobachtung werden durch observation bias beschrieben wie expectancy bias. Zur Verringerung von obervation bias empfehlen sich – wenn möglich – „blinde“ Beobachter*innen, Personen, die mit dem Forschungsziel nicht vertraut sind und die Reflektion initiieren (sollen).

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